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Ein Forschungsprojekt zur Phosphoproteomik in der Krebsdiagnostik. Untersucht wird, ob sich die bisherige Diagnostik damit sinnvoll ergänzen lässt, um genauer zu bestimmen, welche Behandlung für einen Tumor infrage kommt. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit seltenen oder fortgeschrittenen Krebserkrankungen, darunter Sarkome. Ultra Rare Sarcoma e. V. ist als Partner beteiligt und vertritt die Sicht der Patientinnen und Patienten.

Gefördert im Rahmen des DKTK Joint Funding Programms.

Was ist PhosDx

PhosDx untersucht, ob sich Tumoren über ihre Proteine genauer charakterisieren lassen, zusätzlich zur heutigen Untersuchung von Gewebe und Erbgut.

Wenn das gelingt, könnte es bei der Wahl einer Behandlung helfen, gerade dann, wenn die genetische Untersuchung keinen Hinweis ergeben hat.

Das Projekt läuft bis Ende 2027. Bis dahin wird das Verfahren erforscht und steht für die Behandlung noch nicht zur Verfügung.

Mehr Infos!

In der Krebsmedizin wird das Tumorgewebe heute oft genetisch untersucht, meist über Gen-Panels, bei denen wenige bis mehrere hundert Gene gleichzeitig analysiert werden. Gesucht wird nach Mutationen, die einen Ansatzpunkt für eine Behandlung liefern. Das hat vielen Menschen geholfen, stößt aber an Grenzen: Bei einem großen Teil der Patientinnen und Patienten findet sich kein verwertbarer Befund.

PhosDx ergänzt die bestehende Diagnostik aus Pathologie und genetischer Untersuchung um die Phosphoproteomik. Es ersetzt sie nicht. Geprüft wird, ob das Verfahren zuverlässig und schnell genug für die Krankenversorgung ist. Fallen die Ergebnisse positiv aus, ist das Ziel, eine klinische Studie anzuschließen und das Verfahren als Diagnostikverfahren zu akkreditieren.

Leitung: Prof. Dr. Bernhard Küster (Technische Universität München), Prof. Dr. Stefan Fröhling (Deutsches Krebsforschungszentrum und NCT Heidelberg) und Prof. Dr. Hanno Glimm (NCT Dresden). Laufzeit 01.01.2026 bis 31.12.2027.

News

Wir begleiten PhosDx und erklären verständlich, woran im Projekt gearbeitet wird.

PhosDx eine neue Art der Krebsdiagnose?

Gemeinsam mit PhosDx blicken wir auf ein spannendes Forschungsprojekt, das Krebs aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Gerade bei Sarkomen könnte das neue Möglichkeiten in der Diagnostik eröffnen.

Wann kommt PhosDx?

Forschungsprojekte wie PhosDx verändern nicht sofort den Klinikalltag; sie sind aber ein wichtigererster Schritt auf einem langen Weg. Wir erklären dir, wie dieser Weg aussieht und wann PhosDxankommen könnte.

Wie Tumoren heute genetisch untersucht werden

Drei Verfahren sind heute gebräuchlich. Sie unterscheiden sich darin, wie viel vom Erbgut untersucht wird.
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Panel-Diagnostik

Mehrere Gene eines Tumors werden gleichzeitig untersucht, je nach Panel wenige bis mehrere hundert. Zum Einsatz kommen tumorartspezifische Panels zur genaueren Diagnose und Therapieplanung oder breite, tumorübergreifende Panels, die nach therapeutisch relevanten Veränderungen suchen.

Exom-Diagnostik

Untersucht werden die Bereiche der Gene, die die Bauanleitungen für Proteine enthalten. Diese Bereiche gehören zu etwa 20.000 Genen, machen aber nur etwa 1 bis 2 Prozent unseres Erbguts aus. Trotzdem liegen hier die meisten bekannten krankheitsverursachenden Mutationen.

Genom-Diagnostik

Das gesamte Erbgut wird untersucht, also sowohl die Bereiche der Gene, die Bauanleitungen für Proteine enthalten, als auch nicht-kodierende Bereiche. So lassen sich Veränderungen finden, die Panel und Exom übersehen würden. Dafür ist dieses Verfahren am aufwendigsten.

Alle drei Verfahren schauen auf das Erbgut, also auf den Bauplan. PhosDx setzt eine Ebene später an, bei den Proteinen, die aus diesem Bauplan entstehen.

Was ist Phosphoproteomik?

Proteine

Die Arbeitsmoleküle einer Zelle. Das Genom ist der Bauplan, die Proteine sind das, was daraus entsteht und tatsächlich arbeitet. Unter anderem geben sie Signale weiter, die steuern, ob eine Zelle sich teilt.

Proteom

Die Gesamtheit dieser Proteine zu einem bestimmten Zeitpunkt. Anders als das Genom ist es nicht fest, sondern verändert sich ständig.

Phosphatgruppen

Kleine chemische Anhängsel an Proteinen. Sie wirken wie Schalter: mit Phosphatgruppe aktiv, ohne inaktiv. Bei vielen Krebsarten sind bestimmte Signalwege dauerhaft angeschaltet.

Wie gemessen wird

Phosphoproteomik misst, welche Proteine in einem Tumor gerade aktiv geschaltet sind. Die Proteine werden aus der Gewebeprobe gelöst und in kurze Stücke zerschnitten. Aus diesen werden gezielt die Stücke mit Phosphatgruppe herausgefischt. Ein Massenspektrometer, eine extrem genaue Waage für Moleküle, bestimmt ihr Gewicht. Daraus lässt sich ablesen, aus welchem Protein ein Stück stammt und ob der Schalter gesetzt ist. Bei einer Probe entstehen so Messwerte für tausende Proteine.

Warum das für Patientinnen und Patienten wichtig ist

Man sieht nicht nur, was im Bauplan steht, sondern welche Signalwege im Tumor gerade laufen.

Viele moderne Krebsmedikamente setzen genau dort an, allen voran die Kinase-Inhibitoren. Eine Kinase ist ein Protein, das Phosphatgruppen an andere Proteine anhängt, also die Hand, die den Schalter umlegt. Bei Krebs kann sie außer Kontrolle geraten und die Zelle dauerhaft zur Teilung antreiben. Ein Inhibitor ist ein Hemmstoff, der die Kinase blockiert und das Dauersignal unterbricht.

Entscheidend ist: Ein solches Medikament wirkt nur, wenn die passende Kinase im Tumor tatsächlich aktiv ist. Die genetische Untersuchung zeigt, ob das Gen verändert ist. Die Phosphoproteomik zeigt, ob die Kinase arbeitet. Das ist nicht dasselbe, deshalb können beide Verfahren zusammen aussagekräftiger sein.

Das könnte die Entscheidung im Molekularen Tumorboard unterstützen, der Besprechung, in der Fachleute die molekularen Befunde einzelner Patientinnen und Patienten durchgehen und eine Behandlungsempfehlung erarbeiten. Besonders in den Fällen, in denen die genetische Untersuchung bisher ohne Ergebnis endet. Bei sehr seltenen Sarkomen wiegt das schwer: kaum Studiendaten, oft keine Standardtherapie. Jede zusätzliche Information zählt.

PhosDx ist ein Forschungsprojekt. Das Verfahren wird geprüft und ist noch kein Bestandteil der Regelversorgung.

Wer forscht wo?

Größere Forschungsprojekte werden in Arbeitspakete aufgeteilt. Jedes Paket hat eine eigene Aufgabe, ein eigenes Team und einen eigenen Zeitplan. Bei PhosDx sind es vier, verteilt auf vier Standorte.

AP 1 · Gewebeproben

Pathologie der TU München. Hier wird geklärt, welche Art von Gewebeprobe sich für die Messung eignet und wie sie aufbereitet werden muss. Das ist die Grundlage für alles Weitere: Ist die Probe ungeeignet, hilft auch die beste Messung nicht.

AP 2 · Messung

Proteomik der TU München in Freising. Hier findet die eigentliche Phosphoproteomik statt. Das Team entwickelt und standardisiert das Verfahren so, dass die Ergebnisse verlässlich und wiederholbar sind.

AP 3 · Klinische Anwendung

NCT Heidelberg / Dresden. Hier wird untersucht, was die Messergebnisse für die Behandlung bedeuten und wie sie in das Molekulare Tumorboard einfließen können.

AP 4 · Auswertung der Daten

Proteomik der TU München in Freising. Aus einer Messung entstehen Werte für tausende Proteine. Dieses Paket entwickelt die Verfahren, mit denen daraus die wenigen Informationen herausgefiltert werden, die für eine Behandlungsentscheidung zählen.

Die Arbeitspakete greifen ineinander: Probe, Messung, Auswertung, klinische Bedeutung. Erst zusammen ergeben sie die Antwort auf die Frage, ob sich das Verfahren für die Krankenversorgung eignet.

Unsere Rolle als Patientenvertretung

Ultra Rare Sarcoma e. V. ist offizieller Partner im Projekt. Wir werden nicht nur am Ende über Ergebnisse informiert, sondern reden von Anfang an mit.

Wir sitzen im Steuerungsgremium und in der Arbeitsgruppe zur Patientenbeteiligung, geben Rückmeldung solange Änderungen noch möglich sind, und arbeiten daran, dass Befunde aus dem Molekularen Tumorboard und Aufklärungsunterlagen verständlich formuliert sind.

Für uns im Projekt: Bastian Schwarz und Dr. Verena Loidl sowie weitere Patienten.

Häufige Fragen

Kann ich an PhosDx teilnehmen?

Nein. PhosDx ist ein Forschungsprojekt zur Weiterentwicklung eines Diagnostikverfahrens. Es arbeitet mit bereits vorhandenen Gewebeproben und Daten und schließt keine Patientinnen und Patienten neu ein.

contact

Fragen zum Projekt: Prof. Dr. Bernhard Küster, Technische Universität München, kuster@tum.de

Fragen aus Patientensicht: Ultra Rare Sarcoma e. V., info@ultra-rare-sarcoma.de